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Kostenlose Beratung bei organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt

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Herausforderungen und Gewinn in der Psychotherapie – Zwei Erfahrungsberichte

Psychotherapie bei Menschen im Kontext von organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt stellt Therapeut:innen vor viele Herausforderungen. Gleichzeitig kann die Arbeit mit betroffenen Personen persönlich sehr gewinnbringend sein. Zwei erfahrene Behandlerinnen berichten:

„Die langjährige therapeutische Arbeit mit Betroffenen von organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt und mit Dissoziativer Identität hat mein Menschenbild und meine Wahrnehmung in vielem verändert und erweitert. Dabei ist der Einblick in unvorstellbare Gewalterfahrungen, organisierte Ausbeutung und in menschliche Grausamkeiten immer wieder schmerzlich und unerlässlich. Die Begleitung von Betroffenen (meist Frauen*) ist jedoch auch eine Begegnung mit ihrer Lebenskraft, ihrer Weisheit und mit ihrem Mut. Sie haben mich Respekt und Ehrfurcht gelehrt vor den menschlichen Möglichkeiten zu Wandlung, Wachstum und Integration trotz schwerer Gewalterfahrungen. In der Arbeit mit Betroffenen habe ich in besonderer Weise gelernt, das Gegensätze überbrückbar und vielfältige Perspektiven oft hilfreich sind. Die therapeutische Arbeit ist mir bis heute Freude und Herausforderung. Die dabei gemachten Erfahrungen haben oftmals in mir weitergewirkt und auch mein Leben tiefer und reicher werden lassen. Darüber hinaus hat die traumatherapeutische Arbeit mit Betroffenen für mich oft politische Implikationen. Sie kann dazu beitragen, dass gesamtgesellschaftliche Dimensionen von Gewalt, Ausbeutung und Abspaltung sichtbarer und weniger verleugnet werden.“

S.N. - Psychologin

„Die Begleitung von Menschen mit ORG-Erfahrung und Dissoziativer Identität erlebe ich trotz der Herausforderungen als große Bereicherung. Eine zentrale Herausforderung besteht für mich darin, dass die erlebte Gewalt und die unerträglichen Gefühle von den betroffenen Frauen und Männern oft nicht in Worte gefasst werden können. Ohnmacht, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, aber auch Aggressionen werden dann mit großer Wucht indirekt kommuniziert. Diese Form der Kommunikation anzuerkennen, auszuhalten und in Worte zu fassen, ist für mich ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Ich komme durch diese Unmittelbarkeit in Kontakt mit eigenen Grenzen und mit eigener dissoziativer Abwehr: Es fällt mir oft schwer, die heftigen Gefühle an mich heranzulassen. Oder ich kann – um die eigene Ohnmacht nicht zu spüren, Größen – und Retter-Fantasien entwickeln. Es ist schmerzlich für das eigene Selbstbild, mit diesen Selbstschutz-Mechanismen konfrontiert zu werden. Diese Dynamik erfordert eine hohe Präsenz und Selbstreflektion – und ein sich immer wieder achtsam auf die Betroffenen einlassen. Gleichzeitig rührt es mich häufig an, dass die Menschen, die ich begleite, immer wieder nachsichtig mit meinen Grenzen sind. Der Lohn dieser Arbeit besteht für mich bildhaft darin, von eigener Blindheit geheilt zu werden: Ich sehe mich selbst und die Welt um mich herum klarer, unverstellter, mit ihren Abgründen und mit ihrer Schönheit. Ich erkenne klarer, wie zerstörerisch Gewalt ist, aber auch, wie Achtsamkeit und Liebe beeindruckende Heilungskräfte zur Entfaltung bringen.“

U.G. - Ärztin

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